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Wie viel Sinn macht eine interne Suche auf Websites?
von Dr. William Sen | Gründer von blue media
SEO Magazin

Wie viel Sinn macht eine interne Suche auf Websites?

Bewertung von Suchfunktionen auf Websites aus SEO-Perspektive


Das Argument eine interne Suchfunktionen auf eine Website zu integrieren scheint im ersten Blick richtig zu sein. Doch nicht alle Argumente sprechen dafür.

Es gibt gewisse Nachteile, die man betrachten sollte. Somit stellt sich die Frage: Soll man oder soll man keine interne Suchfunktion auf eine Website integrieren?

Beliebte Argumente für eine interne Suche kommen aus Befragungen. Viele Nutzer kommen oft mit der Navigation auf Websites nicht klar und können das Gesuchte auf Anhieb nicht finden. Eine interne Suche scheint hierbei die Lösung zu sein.

Gemäß Cludo nutzen 50% der Nutzer auf einer Website die interne Suchfunktion. Laut addsearch.com sind es 30%.

Doch ganz so einfach ist das nicht, wenn man die interne Suchfunktion mit der Nutzererfahrung bewertet. So ist nicht gewährleistet, dass die Ergebnisse aus den Suchfunktionen auch die Nutzererfahrung steigern.

Die Sichtweise der Experten vielfältig. Setzen wir daher mal die Brille verschiedener Interessensgruppen auf:

 

Interne Suche aus Sicht von UX/UI Experten

UX/UI Experten argumentieren oft damit, dass eine Website so aufgebaut werden sollte, dass eine Suche erst gar nicht benötigt wird. Das setzt natürlich voraus, dass eine gut strukturierte Navigation vorhanden ist, die nahezu ideal auf die Zielgruppe zugeschnitten ist.

Diesem Argument stimme ich zu, dass grundsätzlich jede Navigation auf Basis von Analytics-Ergebnissen, A/B-Testings oder in Absprache mit dem Vertrieb/Sales des Unternehmens so aufgebaut werden sollte, dass sie dem “Mindset” der potenziellen Käufergruppe entspricht. Das schließt aber nicht aus, dass auch zusätzlich als Unterstützung eine Suche eingebaut werden kann.

 

Interne Suche aus Sicht von SEO-Experten

Der SEO-Experte argumentiert oft damit, dass eine gute SEO-Kampagne keine interne Suchfunktion benötigt. Das liegt daran, dass SEO-Experten Landing Pages aufbauen und den Traffic von Suchmaschinen  direkt auf die relevanten Pages mit spezifischen Themen und Produkten lenken. Statt also den Nutzer auf der Homepage durch Suchmaschinenanfragen landen zu lassen, baut der SEO-Experte zahlreiche Landing Pages, die den Nutzer dort abholen, wo die Nachfrage nach ganz bestimmten Produkten herrscht. Kurzum: Der SEO-Spezialist erwartet, dass der Nutzer seine Nachfrage in einer Suchmaschine kundgibt, und die Suchmaschine dann als Ergebnis nur die speziellen relevanten Landing Pages anbietet — und eben nicht die Homepage der Website.

Hier ein Beispiel mit einer Website, die Kaffeemaschinen verkauft: Ein SEO-Spezialist würde bei einer Website um Kaffeemaschinen den Nutzer nicht auf der Homepage sehen wollen. Das liegt daran, dass der SEO-Experte aus Conversion-Sicht die Nutzer nicht als wertvolles Zielpublikum betrachtet, weil sie noch nicht ausgedrückt haben, welche exakte Kaffeemaschine sie suchen. Stattdessen würde der SEO-Spezialist eine Landing Page für eine spezielle Kaffeemaschine bauen — zum Beispiel “ISOMAC Maveric Espressomaschine” — und auf dieser Page alle Elemente einbauen, die sofort zum Kauf dieses Produktes führen.

Des Weiteren sind SEO-Experten auch dazu geneigt den Nutzer nicht durch weitere Elemente und Funktionalitäten von dieser Landing Page abzulenken. Eine Suchfunktionalität wäre also in diesem Fall nicht im Interesse des SEO, damit der Nutzer auf dieser Landing Page verbleibt und nicht erneut auf die Suche zurückgreift. Es ist ebenfalls die Aufgabe des SEO-Experten dafür zu sorgen ähnliche und verwandte Produkte auf dieser Landing Page dem Nutzer anzubieten, sollte das Produkt noch nicht 100%ig den Anforderungen des Nutzers entsprechen.

 

Interne Suche aus Sicht von Suchmaschinenexperten

Wir müssen auch die Herausforderung der internen Suchfunktion besser verstehen: Nämlich der Tatsache, dass die meisten integrierten Suchfunktionen und Suchergebnisse auf Websites oft auch nicht zu dem gewünschten positiven Effekt führen, wie erwartet. Suchergebnisse können sogar zu mehr Frustration und Verwirrung bei den Nutzern führen.

Der Grund ist einfach erklärt: Solche Suchfeatures auf Websites stehen in Konkurrenz mit den Suchfunktionen von Suchmaschinen wie Google, denn Suchfunktionen auf Websites sind nicht annähernd so ausgereift. Suchmaschinen wie Google haben Milliarden Dollar an Entwicklung in ihre Suchfunktionen investiert, um dem Nutzer das bestmögliche Erlebnis gewährzuleisten. Die Suchalgorithmen von Google entwickeln sich zudem stetig weiter.

Wer dagegen eine Suche auf seiner Website einbaut muss erst mal damit rechnen, dass einfache und oberflächliche Algorithmen im Einsatz sind.

In meiner Karriere habe ich als Softwareentwickler und Informationswissenschaftler mit zahlreichen Suchfunktionalitäten zu tun gehabt. Vor allem Kunden mit komplexen Websites und einer hohen Anzahl von Produkten und Themen neigen dazu eine Suchfunktionalität einbauen zu wollen. Von bereits existierenden Plugins bis hin zu selbst-programmierten komplexen Algorithmen habe ich zahlreiche Suchen mit dem Kunden begleitet.

Hier einige der größten Herausforderungen bei der Integration von Suchen, die ich in dem Rahmen dieses Beitrags teilen möchte:

 

Erfüllung der Nutzererwartung bei internen Suchen

Jede Suchanfrage birgt eine Erwartungshaltung des Nutzers. Aus der Suchanfrage muss die Maschine entdecken, wonach genau der Nutzer sucht und welche Suchergebnisse diese Nutzererwartung erfüllen. Suchmaschinen wie Google können aufgrund ihrer hohen Entwicklungskosten mit dem Einsatz von Topic Detection, Analyse von Milliarden von Suchanfragen und Nutzern Rückschlüsse auf deren Verhalten und Interesse ziehen. Dass eine interne Suche auf einer Website dies auf diese Weise nicht erfüllen kann versteht sich von selbst. Im Endergebnis habe ich daher in meiner Karriere festgestellt, dass man grundsätzlich eine Suche nicht in jeder Branche und Website einfach einbauen sollte. Es kommt darauf an, welche Produkte die Website hat, und welche Struktur dort besteht.

Hier mal ein sehr vereinfachtes Beispiel einer Herausforderung. Nehmen wir wieder das Beispiel mit der Kaffeemaschine-Website. Wir glauben zu wissen, dass der Nutzer Markennamen eingeben würde, um zu einem Ergebnis zu gelangen.

Bei der Eingabe von “Nespresso” entdeckt die Maschine jedoch 100 Themen dazu, wie auch Blog-Artikel, Nutzerbewertungen und alles, wo “Nespresso” drin vorkommt. Das Ergebnis wäre eine Informationsüberlastung, wo der Nutzer nicht mehr weiß, welches das relevante Ergebnis ist. Da die Suche nach simplen Algorithmen vorgeht, zeigt es einfach alles an, was “Nespresso” irgendwo als Content beinhaltet — selbst Bilder, die den Namen Nespresso tragen und Bewertungen können angezeigt werden.

Als SEO-Experte sehe ich bei den Suchergebnissen unserer Kunden, dass Website-Besucher aus den Suchergebnissen innerhalb von Sekunden abspringen, ohne sie anzuklicken.

Die Untersuchungen wie oben erwähnt, dass viele die Suche nutzen kann ich aus Erfahrung bestätigen. Aber was mir bei diesen Untersuchungen und Argumenten noch fehlt ist die Antwort auf die Frage, ob die Nutzer auch tatsächlich mit den Suchergebnissen etwas anfangen konnten.

In meinen eigenen Analysen bei Websites, die eine interne Suche anwenden sehe ich oft, dass Nutzer von der Suche abspringen. Oft sehe ich auch, dass der Ausstiegspunkt für Nutzer die Suche selbst war.

Das bedeutet, dass die Nutzer die Suche nutzen, und dann von der Website abspringen.

Das sind sehr ernstzunehmende Analysen, denn letztlich zeigt uns das, dass die interne Suche der Grund dafür war, dass der Nutzer abgesprungen ist. Somit ist das Argument, dass die meisten Nutzer die Suche nutzen eher unbedeutend und auch gefährlich: Wir glauben dadurch eine Suche einbauen zu müssen, sorgen aber letztlich dafür, dass wir Nutzer verlieren.

Wenn Nutzer von der Suche abspringen ist das ein Indiz dafür, dass sie die Suchergebnisse als nutzlos, verwirrend oder irrelevant ansehen.

Ein anderes Beispiel: Wenn wir die Suche nur auf die Produkte selbst beschränken, wo “Nespresso” als Keyword vorkommt, werden beim Suchergebnis zwei Nespresso-Maschinen und Nespresso-Kaffeepads gezeigt. Im Endeffekt ist der Nutzer nun erneut unzufrieden, da das Ergebnis sehr klein und beschränkt ausfällt. Und alle Nespresso-kompatiblen Kaffeepods und auch Nespresso-kompatiblem-Kaffee-Maschinen werden nicht angezeigt.

Die Lösung scheint zu sein, alle Produkte zu taggen und zu bewerten und mit der Suche zu verknüpfen. Diese Methode ist aufwändiger. In einer der Kundenprojekte hatten wir über 200 Produkte mit Tags versehen, damit die Suche sie besser auffindet. Spätestens nachdem neue Produkte und Mitarbeiter hinzukamen, wurde das Tagging vernachlässigt, so dass neue Produkte nicht mehr in der Suche auftauchten. Im Endergebnis wurde wieder auf eine automatische Suche umgesprungen, was nun wieder dazu führte, dass der Algorithmus nicht gut genug war, um relevante Ergebnisse zu liefern. Ein Teufelskreis also.

In der Informationswissenschaft ist diese Problematik bekannt als Precision and Recall. Werden alle Informationen einer Suche angezeigt, ist Information Overload die Folge: Der Nutzer weiß nicht mehr, was relevant ist aufgrund von zu vielen Treffern. Werden die Suchergebnisse gefiltert und ausselektiert, ist die Folge das Fehlen der eigentlichen relevanten Information.

 

Alternativen zu internen Suchfunktionen

Sehr gute Alternativen sind Suchen auf Produktebene. Auch wenn es mit mehr Aufwand verbunden ist, macht das Taggen bzw. Flaggen von Produkten Sinn, auch wenn das mehr Arbeit bedeutet. Dabei sollte die Suche jedoch nicht als freies Feld angeboten werden, sondern als Drop-Downs und Reglern.

Bei Finanzportalen beispielsweise können Nutzer ihre gewünschte Kreditsummen eingeben.

In anderen Portalen per Checkbox eingeben, welche Präferenzen sie möchten.

Amazon löst dieses Problem mit einem Hybrid-Verfahren. Zusätzlich zu dem höchst-komplexen Suchalgorithmus bietet Amazon auch eine Filtersuche an:

Als Web-Developer müssen wir uns eingestehen keine Millionen Dollar in komplexe Suchalgorithmen investieren zu können. Stattdessen können wir aber sehr gut von der Filter-Suchen lernen.

 

Google-Suche als Alternative zur internen Suche

Eine gute Alternative bietet Google selbst an. Statt selbst eine Suchfunktion anzubieten kann man auf seiner Website ein Suchfeld einbauen, wobei die Suche jedoch automatisch an Google weitergeleitet wird. Google sorgt dafür, dass auch nur Suchergebnisse von der eigenen Website angezeigt werden. Statt also eine eigene komplexe Suche zu programmieren, greift man auf die von Google zu.

Wobei die Google-Suche mit einigen Nachteilen zu Buche schlägt. Google zeigt natürlich auch weiterhin Werbung auf den Suchergebnissen an. So werden also auch Google Ads von Wettbewerbern angezeigt.

 

Interne Suche in Websites einbauen oder nicht?

Von der Idee her tendiere ich einer internen Suche zuzustimmen. Doch in der Praxis zeigt die Erfahrung, dass Suchfunktionen in Websites nicht mit einem einfachen Klick oder der Integration eines Plugins auf Anhieb funktionieren.

Vor allem bei SEO-Kampagnen ist die Erfüllung der Nutzererwartung eines der größten Ziele. Wenn unsere Kunden bereits mit bestehenden Suchfunktionen ihre Websites an uns anvertrauen empfehle ich oft auch die Entfernung der internen Suchfunktion.

Eine Suchfunktion muss gut geplant werden: Es müssen Fragen geklärt werden, welche Themen-Trichter, Produkt-Ebenen überhaupt angezeigt werden sollten. Und dabei stellt sich natürlich auch immer die Frage nach dem technischen Aufwand. Eine Suche selbst programmieren oder auf bestehende Plugins zurückgreifen?

Die interne Suchfunktion einer Website braucht also oft eine größere Vorbereitung und Bewertung als oft zunächst angenommen.

KATEGORIEN Search Engine Optimization Web Development
About the Author
ÜBER DEN AUTOREN Dr. William Sen Gründer von blue media

William Sen ist seit 2001 SEO und seit 1996 Software-Ingenieur. Er war als Lehrbeauftragter an der Universitäten Düsseldorf und TH Köln tätig. Er ist an der Entwicklung von SEO-Tools, Websites und Softwareprojekten beteiligt.

William hat seine Promotion in Informationswissenschaften (Uni-Düsseldorf) sowie arbeitete und arbeitet für Marken wie Expedia, Pricewaterhouse Coopers, Bayer, Ford, T-Mobile und viele mehr. Er ist der Gründer von blue media mit Sitz in San Diego, Kalifornien.

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